Klettern in den Dolomiten: Holzknecht Couloir, Icterus und Delenda

16/17.März 2017

Toureninfo: Holzknecht Couloir  auf’s Langkofel Eck (3081m , 380m + 220m, WI 5),  Icterus (8-) & Delenda Carthago (7) am 1. Sella Turm

A

m 8. März machte ich mich gemeinsam mit Martul auf den Weg ins Gebiet des Sella Massivs in den Dolomiten mit 2 Wunschtouren im Gepäck: das Holzknecht & Goulotte Couloir – für eine Eistour relativ spät in der Saison – sowie Felsklettern am 1. Sellaturm. Genau dieses Kontrastprogramm – einen Tag voll eingepackt im Eis, den nächsten Tag nur mit T-Shirt in der Südwand hängend – bewog uns zu dieser Tourenplanung. Die Sellatürme und das Ambiente um diese beeindruckt immer wieder aufs Neue und lässt das Kletterherz höher schlagen…

Holzknecht Couloir

Nach einer Nacht am Parkplatz am Sellajoch starteten wir früh mit den Skiern zur Toni Demetzhütte. Auch wenn der Schnee nicht perfekt war, die Kombination von Skitour & Klettern ist immer ein besonderes Erlebnis! Außerdem ist ein „Abstieg“ mit Ski auch sehr viel bequemer 🙂
Von der Hütte aus ging’s dann zu Fuß zum Einstieg. Der manchmal als „heikel“ beschriebene Quergang zum Start unserer Tour (Fassaniband) stellte kein Problem dar (Lawinensituation beachten!).

In der ersten Seillänge war mittlerweile sehr wenig Eis vorhanden und die Felsen blitzten an vielen Stellen durch. Durch die vorangegangenen kalten Nächte war das, was vom Eis noch übrig war, allerdings sehr gut zu klettern. Ich denke aber, in dieser Saison waren wir die letzten in der Tour. Die Schlüssellänge (2.SL WI5) hat zwar auch schon etwas unter der Jahreszeit gelitten, war aber immer noch schön zu klettern und relativ gut zum Absichern. Auch 1-2  mittlere Friends konnten brauchbar eingesetzt werden. In der 3. Seillänge wartet ein kleines Highlight: man klettert unter einem eingeklemmten Felsbrocken hindurch. Einen herrlich luftigen Ausblick bot uns die 4. Seillänge. Die gesamte Tour hindurch überwindet man immer wieder kurze Passagen im Schnee.

Etwas abenteuerlich gestalteten sich für uns dann auch noch die letzten Höhenmeter zum Gipfel: wir waren wohl etwas zu weit rechts gekommen, weshalb wir wieder abklettern mussten. Als wir dann die richtige Rinne gefunden hatten, ging’s in mäßig steilem Gelände schnell und seilfrei zum Gipfel (200hm).

Die Rundumsicht vom Gipfelplateau ist wirklich einmalig! Der Schirm muss nächstes Mal definitiv mit 🙂

Diesmal mussten wir allerdings abseilen. Alle Stände waren zu der Zeit super eingerichtet.  Die Sonne stand schon sehr hoch und erreichte dadurch bereits viele Abschnitte des Couloirs. Der zweiten Seillänge konnte man regelrecht beim schmelzen zusehen. Wieder am Depot angekommen genossen wir noch eine schöne, wenn auch etwas steinige Firnabfahrt zurück ins Tal.

Ein Topo gibt’s übrigens hier

Klettern in der 2. Seillänge
4. Seillänge Eisklettern Dolomiten
Eisklettern 2. Seillänge
Klettern unter geklemmten Block Eisklettern Dolomiten
Langkofel Gipfel Dolomiten
Blick auf Langkofel Dolomiten

1. Sellaturm

Nach einer weiteren Nacht im Auto starteten wir den zweiten Tag etwas gemütlicher. Nach einem Espresso am Sellapass ging’s los in Richtung 1. Sellaturm. Der Einstieg ist nach nur ca. 10 min erreicht. An diesem Tag waren wir die einzige Seilschaft am gesamten Turm. Trotzdem sollte ein Kommunizieren nicht nur auf akustische Signale reduziert werden, da ab dem frühen Nachmittag ein Apreski Hit nach dem anderen bis an die Wand schallt: ♫ die Hände zum Himmel ♫ beim nächsten „No Hands Rest“ vielleicht?  😉  Crazy.

Delenda Carthago

Zuerst kletterten wir die Delenda Carthago (6b), eine super griffige alpine Sportkletterroute.  Die 6 Seillängen sind anhaltend steil in bestem Fels – ein echtes Schmankerl! Vorsicht ist beim Abseilen geboten.  Wir hatten auf Grund des starken Windes, der am Nachmittag einsetzte, einen Seilverhauer. Nützt nichts, nochmal rauf zu der Stelle, wo sich das Seil verfing. Abstieg über den Normalweg (Stellen 2) wäre für’s nächste mal bei starkem Wind anzudenken 😉

Icterus

Trotzdem war noch genug Zeit, um die Ictarus einzusteigen. Die erste Seillänge (8-) ist steil und verlangt einiges an Kraftausdauer. In der zweiten Seillänge kann der Quergang super mit Friends abgesichert werden. Auch die dritte Seillänge entpuppte sich als Herausforderung. Nach dieser Seillänge war für uns diesmal allerdings Schluss. Der Wind war kalt und die Sonne bereits verschwunden. Es gibt noch genug zu tun für uns im schönen Sellagebiet – wir kommen wieder 🙂

klettern Sella Dolomiten
klettern Sella Dolomiten
klettern Sella Dolomiten

Material

Holzknecht
  • komplette Eisausrüstung

  • 6 – 8 Expressschlingen

  • evtl. 2-3 mittlere Friends

  • Doppelseil 50m

Icterus & Delenda
  • Doppelseil 50m

  • 12 Expresschlingen

  • Für Icterus Friends Größe 2 & 3 von Vorteil für Quergang

Zeitaufwand

  • Holzknecht:  Zustieg: 1,5h, Kletterzeit ca. 3-4h, Abstieg/Abfahrt bis Auto 2,5h

  • Delenda: Kletterzeit 2-4h

  • Icterus: Kletterzeit für gesamte Tour ca. 3-5h

Fazit

Die Kombination von Eisklettern und Klettern am Fels machten diesen Ausflug zu einem super Erlebnis in atemberaubender Kulisse. Sehr empfehlenswert. Klettern in den Dolomiten lässt wohl jedes Alpinistenherz höher schlagen.

By | 2018-12-06T08:35:47+00:00 Juni 7th, 2017|All #lensecapestories, Climb, Touren|1 Comment

One Comment

  1. Martin Sieberer 22. Juli 2017 at 14:46 - Reply

    Niice!!

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