Rissklettern in Italien: Valle dell´ Orco

Der letzte Eintrag ist schon lange her, deshalb folgen demnächst ein paar Berichte. Wir waren in den letzten Monaten viel unterwegs. Aber zunächst einmal zum Thema: Rissklettern im Valle dell´ Orco.

Nachdem uns das Wetter Mitte September einen Strich durch unsere Westalpenpläne machte, beschlossen Weezy und ich zuerst im Valle dell´ Orco ein wenig unsere Risskletterkünste zu verfestigen. Bei Wetterbesserung wollten wir nach Chamonix weiterfahren. Somit hatten wir nach einer Woche Rissklettern blutige Finger und konnten sie die nächste Woche beim „Drytoolen“ am Triangle du Tacul heilen lassen.

SergentFessura della Disperazione

Valle dell´ Orco

Am 16. September gings zu zweit über Milano ab in Richtung Orco Valley. Eine beängstigende Nacht verweilten wir an einem vermeintlich abgelegenen Sportplatz in der Nähe von Cuorgne, um am nächsten Tag noch Lebensmittel für ein paar Tage zu besorgen. Am folgenden Tag starteten wir direkt zum Parkplatz des Gebiets Sergente in der Nähe von Ceresole Real im Orco Valley. Daneben befindet sich der Campingplatz „La Peschera“, welcher jedoch bereits geschlossen hatte.

Camp Site

Da wir sonntags anreisten, war der Zentarlsektor im Gebiet „Sergent“ gut besucht. Vor allem die „Fessura della Disperazione (6a)“ war ganztags besetzt. Da wir jedoch nur Friends bis Gr. 4 dabei hatten, stand diese Route nicht in unserem Fokus. Als erste Route wärmten wir uns in einer Plattenroute am linken Teil des Zentralsektors auf. Danach stiegen wir die grandiose 1 SL.-Tour „Incastromania (6a)“ und die „Diedro del Mistero (6b)“.

Incastromania (6a)Diedro del Mistero (6b)

Am zweiten Tag versuchten wir uns bereits in der „Jedi Masters (6c+)“ im rechten Teil vom „Sergent“. Wir kletterten übrigens eine Kombi aus Nautilus (6a) und Jedi Masters um ausschließlich Risslängen zu klettern. Weedy ist kein großer Plattenfreund. Mimimi

Bei leichtem Regen/Hagel seilten wir ab und beschlossen noch eine Seillänge zu klettern. „Le Chiacchere Stanno a Zero (6c+)“. Ein genialer, überhängender, cleaner Riss führt auf ein Plateau, welches über Bolts auf eher unlohnenden Metern zum Top führt.

Nautilus (6a)Jedi Masters (6c+)Le Chiacchere Stanno a Zero (6c+)

Da das Wetter zu Hause untragbar war folgten Fuzi, Pepi, Johannes und Benni unserem Ruf und somit waren wir ab dem dritten Tag zu sechst. Weezys Hände waren aufgrund von anfänglichen Tapeschwierigkeiten bereits grün/blau geschwollen und meine waren ebenfalls gezeichnet. Somit kletterten wir zuerst die erste Länge der Disperazione. Nicht schwer aber eben nichts zum sichern. Danach scheiterte ich kläglich an der „L´eroe dei Due Mondi (7a)“. Knallhart von Anfang bis zum Schluss. Um die Hände zu schonen, ging´s danach noch in die erste Länge der „Legoland (6b)“. Ein diffiziler Fingerriss in geneigter Platte, welcher eher mit Keilen abgesichert wird. Niice. Die zweite Länge (7b?) schaut richtig schwer aus.

L´eroe dei Due Mondi (7a)Legoland (6b)

Um endlich einen angemessenen Pausetag einzulegen spazierten Benni, Johannes, Weezy und ich am nächsten Tag vom Stausee in Richtung Levanna Orientale, auf den Cima della Piccola (2868m). Eine schöne Wanderung über Bergseen mit Blick auf den Gran Paradiso.

Cima della Piccola (2868m)

Am nächsten Tag gings in der „Cannabis (7b)“ richtig zur Sache. Extrem schmerzhafter Fingerriss vor allem im Mittelteil. Aber auch im Ausstieg der ersten Länge, aufgrund der marginalen Sicherungsmöglichkeiten mental sehr anspruchsvoll. Die zweite Länge ist eine eher grasige 6b+, aber ebenfalls nicht zu unterschätzen. Nach einer gemütlichen Länge standen wir unter der berühmten 7a Länge, welche traumhafte Risskletterei bietet.

Crack a GoGo (6c+)

Am Abend bietet es sich gut an am nahe gelegenen Boulderproblem “ Fessura Kosterlitz“ seine Risskletterfähigkeiten zu verbessern. Zur Abwechslung kann man auch mal ein wenig „Groundhandeln“. 🙂

Fessura KosterlitzGroundhandling

Nachdem nach einigen Tagen Rissklettern die Hände ziemlich beleidigt waren, zogen Fuzi und ich es vor uns einmal im Technoklettern zu versuchen. Das Gebiet „Caporal“ liegt eine knappe Stunde vom Parkplatz entfernt und bietet vor allem für Technokletterer anspruchsvolle Routen. Wenn man noch nie richtig „Aid-Climbing“ war, probiert man es am besten gleich solo. Und so kam es, dass Fuzi in die „Il Lungo Cammino dei Comanches“ (6a+/A2) einstieg und ich die benachbarte „Mangas Coloradas“ (5c/A2+) auscheckte. Wir wollten uns am Top treffen und gemeinsam eine weitere Länge oberhalb klettern. Naiv wie wir waren stiegen wir ein und mussten schnell erkennen, dass Techno-Klettern viel zeitintensiver ist als erwartet. Nach 4h trafen wir uns wieder. Aber nicht wie erwartet am Top, sondern am Boden, da wir beide in der Zeit nur eine Seillänge schafften.

Aid Climbing: What am I doing here?

Nach der Techno-Einführung gings ab zur benachbarten „Orecchio del Pachiderma“ (6b). Eine Traumlänge entlang einer etwas fragilen Schuppe.

Etwas groggy wollten wir den ausklingenden Tag noch nutzen um eine Tour zu klettern, welche die ganze Woche vor unserer Nase, gegenüber vom Parkplatz, stand. Das überhängende Riss-Dach im Sektor „Disertore“. Die Tour „Totem Bianco“ (6c+) benannt nach dem abgestorbenen Baum mitten in der Tour welcher wie ein Totempfahl heraussticht. Eine Hammer-Tour, welche wir alle im Onsight/Flash klettern konnten.

Am gleichen Tag ging´s für Weezy und mich ab nach Chamonix, wo wir am nächsten Tag die „Rebuffat (6b)“ in der Südwand der Aiguille du Midi kletterten. Mehr dazu im nächsten Beitrag.

Totem Bianco (6c+)

Material

Orco

  • Friends in allen Größen (am besten doppelt) -> Cam Gr. 5/6 nur in bestimmten Routen

  • Keile in allen Größen

  • einige lange Expressschlingen

  • 60/70m Halbseile

    ev. 70m Einfachseil

Zeitaufwand

  • Zustieg vom Parkplatz (Campingplatz) bis in den Sektor „Sergent“ etwa 15-20 Minuten. Zum Sektor „Caporal“ etwa 45 Minuten.

Fazit

Risse aller Art. Da ist für jeden Crack-Liebhaber etwas dabei. Teils auch geboltete Routen, vor allem die Plattentouren. Für Aid-Climber ebenfalls empfehlenswert. Im Sommer eher zu heiß aber Abkühlung findet sich im nahe gelegenen Bach.

Für Routenbeschreibungen am Besten das Buch Valle dell´Orco von Maurizio Oviglia kaufen.

Vergleich: Cadarese

By | 2019-03-08T08:53:17+00:00 Oktober 24th, 2017|All #lensecapestories, Climb, Travel, Touren|0 Comments

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